Bullerbü, wir kommen!

 

Wenn ich´s mir recht überlege, ist das Fernsehen daran schuld. Wer hat mich denn sonst an den vielen regnerischen007 Sonntagnachmittagen meiner Kindheit in den 70er Jahren, während Mama und Papa Mittagsschlaf hielten, mit Pippi und Herrn Nilson, mit Michel, mit Bootsmann und Madita bekannt gemacht? Eben.   Seit ich lesen kann, möchte ich auf Saltkrokan wohnen, will ich in 005Mittsommernächten über Zäune klettern und Malin besuchen.

Trotz aller kindlichen Sehnsucht hat es dann aber doch noch fast vierzig Jahre gedauert, bis ich endlich mal nach Schweden in den Urlaub gefahren bin. Es war Juli, und es kam, wie es kommen musste: Mein Mann und ich verliebten uns Hals über Kopf – nicht ineinander, nein, dieses Ereignis hatte schon sehr viel früher stattgefunden, nein, in ein kleines rotes Holzhäuschen 001mit weißer Veranda und weißgestrichenen Fenstern, mitten im Wald, mit Blick auf einen See und mit einem duftenden Fliederbusch im Garten und einer tief dunkelvioletten Clematis auf der Veranda. Wir hatten es für ein paar Tage gemietet und wussten sofort: So was wollen wir auch! Und irgendwie muss man ja sein Geld anlegen….„Unser“ Häuschen stand zwar nicht zum Verkauf, aber im Internet entdeckten wir die Seite www.hemnet.se. Hier werden fast alle schwedischen Immobilien angeboten und verkauft. Eigentlich ist es ganz einfach: Man sucht ein Objekt, schreibt dem Makler oder Besitzer eine Mail (wer kann, auf Schwedisch, Englisch geht auch, und auch Deutsch ist durchaus gängig) und vereinbart einen (oder gleich mehrere) Besichtigungstermine. Dann fliegt man schnell nach Schweden (oder macht gleich „richtig“ Ferien), schaut das Haus an, und wenn es einem gefällt, gibt man ein Kaufangebot ab. Im Prinzip wie bei ebay – alle Interessenten versuchen sich gegenseitig zu überbieten. Soweit die Theorie. Aber wenn man Glück hat (und genug Geld), bekommt man vom Verkäufer irgendwann den Zuschlag. Wir hatten Glück.009
In der Praxis sieht es schon etwas anders aus. Nach mehreren Hausbesichtigungen saßen wir mit rauchenden Köpfen über der zu beurteilenden Gemengelage von Erhaltungszustand, etwa notwendigen Renovierungsarbeiten, Orts- oder Waldrandlage und sonstigen Unwägbarkeiten (schließlich will man nicht die Katze im Sack oder besser gesagt, die Bruchbude mit frischem Anstrich kaufen!). Dann waren wir uns aber einig - bezahlbares Häuschen, großes 014Grundstück mit pflegleichtem Garten, gute Lage, nicht zu einsam, nicht zu zentral -, gaben ein Gebot ab, und dann  - drei, zwei, eins – unseres!
Das war vor gut fünf Jahren. Inzwischen kennen wir den Weg zu IKEA (immerhin gut 100 km) im Schlaf und unsere deutschen und schwedischen Nachbarn besser als die zu Hause. Wir haben gleich mehrere perfekte Badestellen gefunden, keine 2 Minuten vom Haus weg, und ich habe im Akkord 011Erdbeer- und Blaubeermarmelade gekocht und Zimtschnecken für mehrere Großfamilien gebacken. Unsere Nachbarn berichten uns, dass einige Elche schon mal - immer wenn wir nicht da sind - 017unseren Garten als Durchgangsstrecke zum nahen Wald benutzen. Wir haben bei Minusgraden bibbernd vor unserem Kachelofen gesessen, weil er nicht brennen wollte, weil das Holz zu nass war, und als er dann brannte und wir den Dreh raus hatten, haben wir ganze Nachmittage in der wohligen Wärme stundenlang auf dem Sofa gefaulenzt. Wir haben im weißen Winterwald unseren ersten selbstgeschlagenen Tannenbaum aus dem Wald geschleppt und dabei schwedische Weihnachtslieder gegrölt – nein, gesungen. Wir haben gelernt, dass „Rasenmäher“ auf Schwedisch gräsklippare heißt, und haben die ganzen Sommerferien auf der Leiter gestanden, weil das Haus gestrichen werden musste. Schließlich wäre noch die Kreuzotter zu erwähnen, die  sich in unserem warmen Biokomposter ein bequemes Nest gebaut hat und uns im ersten Sommer völlig unerwartet beim Abfall-Deponieren begrüßt hat – kurz: wer will denn da noch in die Karibik oder in die Toskana?

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