Das Luciafest – der Lichtblick während des Winters

Während man in ganz Skandinavien im Sommer die Mittsommernacht feiert, präsentiert sich mit dem traditionellen Luciafest in Schweden im dunklen Dezember ein kleiner Lichtblick. Am 13. Dezember sorgt die weiß gewandete Lucia, die einen Lichterkranz auf dem Kopf trägt, für angenehm helle Stunden.

In Skandinavien wird gern gefeiert. So gibt es das Mittsommerfest im Sommer, im Winter das Luciafest. Dabei handelt es sich um einen Brauch, dem alljährlich in der Vorweihnachtszeit gehuldigt wird.

Vor allem in Schweden wird dieses Fest gefeiert und es findet immer am 13. Dezember eines jeden Jahres statt.

Hintergrund für die Wahl des Datums ist, dass an diesem Tag der Gedenktag der Heiligen Lucia ist und der Tag zudem der kürzeste Tag des ganzen Jahres war, ehe die Gregorianische Kalenderreform dem ein Ende setzte. Allerdings ist der Tag kein gesetzlicher Feiertag, auch wenn sich das so manch einer wünschen würde.

 

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Das Lucia-Fest – Geschichtliches

Der Ursprung des Luciafestes lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Dass das Fest vor allem in Schweden so bekannt und beliebt ist, lässt sich frühestens ab dem Mittelalter belegen. Aus der Zeit stammen Berichte, in denen über die Feierlichkeiten erzählt wird. Die ersten weißen Gewänder wurden aber erst ab 1760 getragen, zumindest berichten Zeitzeugen erstmals ab dieser Zeit davon. Dies geschah auf einigen Gutshöfen im Westen von Schweden. Die weißen Gewänder sind auch heute noch ein wichtiger Bestandteil des Luciafestes.

Erst in den letzten hundert Jahren etwa entwickelte sich das Lucia Fest zu einem Brauch, der auch landesweite und nicht nur regionale Bedeutung hat. Im Jahr 1927 wählte eine Stockholmer Zeitung das erste Mal eine Lichterkönigin als nationale Lucia, fortan waren die Feierlichkeiten im Brauchtum Schwedens fest verankert.

 

Und wer war die Heilige Lucia?

Ganz genau kann nicht beantwortet werden, ob das Luciafest überhaupt etwas direkt mit der Heiligen Lucia zu tun haben könnte oder nicht. Die Verbreitung im ganzen Land erfuhr das Fest nicht durch die Vorgabe als kirchlicher Feiertag, sondern eher als familiärer Feiertag. Es handelt sich eher um einen häuslichen Brauch.

Allerdings scheint das Tragen der Kerzen auf dem Kopf der Kinder zur Heiligen Lucia und deren Beschreibung zu passen. Sie trug angeblich den Kranz aus Kerzen auf dem Kopf, weil sie die Hände frei haben wollte, um den Armen Lebensmittel zu geben. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass das weiße Gewand und das rote, darum geschlungene Band auf das Christentum hinweisen. Das weiße Gewand steht demnach für die Keuschheit der Heiligen Lucia, die diese gelobt hatte, das rote Band soll für das Martyrium stehen. Sie starb durch einen Dolchstoß in den Hals. Was davon tatsächlich wahr ist, kann allerdings nur vermutet werden und die Wissenschaftler und Religionsangehörige vertreten unterschiedliche Theorien. Teilweise wird daher auch behauptet, dass das Lucia Fest gar nichts mit der Heiligen Lucia zu tun hätte, sondern lediglich den gleichen Namen trügt. Woher der dann allerdings stammen sollte, kann auch nicht erklärt werden.

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Und wie sieht es heute aus?

Eine kirchliche Prägung des heutigen Festes lässt sich kaum mehr feststellen, auch wenn der Tag eigentlich zum Gedenken an eine Heilige begangen wird – zumindest dem Namen nach. Es gibt verschiedene Elemente, die zum Brauch dazu gehören. Das sind zum einen die weißen Gewänder, die bereits erwähnt wurden, zum anderen sind es Kerzen. Verzehrt wird an diesem Tag Lussekatter, das ist ein Gebäck mit Safran, das traditionell zum Luciafest gebacken wird, getrunken wird der Glögg. Dabei handelt es sich um eine Art Glühwein, auf jeden Fall ist es ein heißes, fruchtiges und alkoholisches Getränk, in das man Nüsse, Rosinen usw. hinein gibt. Traditionell werden zudem die so genannten Lucialieder gesungen, außerdem wird in den meisten Orten eine Lucia gewählt.

Schon früh am Morgen beginnen die Feierlichkeiten in den Familien. Da es sich eben nicht um einen gesetzlichen Feiertag handelt, werden die Feierlichkeiten im Kindergarten oder in der Schule wieder fortgesetzt. Auch am Arbeitsplatz der Erwachsenen läuft an diesem Tag nicht alles so wie immer. In der Familie ist die älteste Tochter traditionell die Lucia. Sie muss ein weißes Gewand tragen, um die Taille bekommt sie ein rotes Band geschlungen. Auf den Kopf kommt ein Kranz mit Kerzen. Dem Mädchen folgen andere Mädchen, die als tärnor bezeichnet werden. Sie halten Kerzen in den Händen. Außerdem gehören die Sternknaben dazu, die stjärngossar. Dann gibt es noch die pepparkaksgubbar – die Pfefferkuchenmännchen – und die tomtar, die Wichte. Sie allen folgen der Lucia in einer Art Prozession. Die Kerzen von einst wurden für die Kinder heute aber durch elektrische Kerzen ersetzt.

Das Luciafest wird übrigens nicht nur in Schweden begangen, wenn auch dort hauptsächlich. Auch in Dänemark, in Finnland und in Norwegen wird das Fest gefeiert, hier erfreut es sich einer zunehmenden Beliebtheit. Selbst in Deutschland gibt es inzwischen Veranstaltungen zum Luciafest, sie werden in den Orten gefeiert, die eine skandinavische Partnerstadt haben.

 

Weihnachten in Schweden

Der wichtigste Feiertag in Schweden ist der Heilige Abend, der im Zeichen der Familie steht. Die Weihnachtsvorbereitungen beginnen in Schweden bereits im November. An den letzten Novembertagen werden Geschäfte und Häuser weihnachtlich geschmückt. Allerorts verbreiten Kerzen eine angenehme Atmosphäre. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt im nordeuropäischen Land die langersehnte Weihnachtszeit. Nach dem Besuch der Kirche wird in den Familien die erste Kerze angezündet.

Die verbleibenden Tage werden für die Vorbereitungen des Weihnachtsfestes genutzt. Der traditionelle Julkuchen und die bekannten Lussekatter verbreiten im Haus ein weihnachtliches Aroma. Dem Glauben nach werden die Menschen bei den zahlreichen Vorbereitungen durch den Tomte unterstützt.

Die guten Hauswichtel werden am Heiligen Abend mit einem traditionellen Milchbrei für ihre Hilfe belohnt. Der Milchbrei wird von den Familien vor die Tür gestellt. Auch wenn die Tomtes bis heute noch niemand gesehen hat, dürfen sie am Heiligen Abend nicht vergessen werden. Wer es versäumt, den Milchbrei vor die Tür zu stellen, wird im neuen Jahr mit Unglück bestraft.

Für Bescherung ist in Schweden der Jultomte zuständig. Er ist der gute Wichtel, der in der heimischen Scheune lebt und über die Familie wacht. Mittelpunkt des schwedischen Weihnachtsfestes ist der Weihnachtsbaum. Er wird bereits einige Tage vor dem Fest ins Haus gebracht und feierlich geschmückt. Kerzen, Kugeln und Lametta zieren seine Äste und verbreiten weihnachtliche Stimmung. Alternativ wird zu Strohfiguren, Fähnchen und zahlreichen Girlanden gegriffen. Traditionell wird der Weihnachtsbaum mitten im Zimmer aufgestellt.Weihnachten1

Für kulinarischen Genuss sorgt das traditionelle Weihnachtsessen, zu dem Wurst und Schinken ebenso gereicht werden wie Sülze und Hering. Grütze in den verschiedensten Formen und die bekannte Julkorv, eine Art Bratwurst, runden das Weihnachtsessen ab. Zum reichhaltigen Buffet wird das Julmust gereicht. Bei diesem kann es sich um eine besondere Limonade oder auch um das Weihnachtsbier handeln. Nach dem Essen erfolgt die Bescherung durch den Jultomte. Traditionell bleiben sowohl die Fenster als auch die Türen zum Heiligen Abend in Schweden geöffnet. So haben Freunde und Nachbarn die Möglichkeit kleine Geschenke in die Wohnstuben zu werfen.

 

Vom Stockfisch zur Schweinesülze

Der Höhepunkt im schwedischen Weihnachten ist das altehrwürdige Smörgåsbord. Der Weihnachtstisch ist mit mariniertem Hering, Kartoffeln, Fleischklösschen, Wurst aller Arten, Rotkohl, dem Weihnachtsschinken, Rippchen, Schweinesülze, „Janssons Versuchung“ (ein Gratin aus Kartoffeln und Hering), Stockfisch, Reispudding, Käse und Brot gedeckt. Dazu wird Bier, Julmust (Kräuterlimonade) und Schnaps serviert. Glögg ist ein anderer weihnachtlicher Trunk, der so ähnlich wie Glühwein zubereitet wird, Glögg wird vor und nach dem Essen getrunken.

 

Weihnachtsstimmung mit Lametta und Siegelwachs

Der Weihnachtsbaum ist das zentrale Stück in den schwedischen Häusern. Diese Tradition, die ursprünglich aus Deutschland kommt, wurde im 19.Jahrhundert ein fester Bestandteil der schwedischen Weihnachtsfeiern.

Der Tag vor Heiligabend ist der Tag der Vorbereitung. Der Baum wird mit Lametta und jeden erdenklichen Sachen geschmückt. Er wird mit einem Stern an der Spitze gekrönt. Die Geschenke werden schön verpackt und mit Siegelwachs und dem persönlichen Siegel versehen. Die Geschenke werden unter dem Baum gesammelt und am Heiligen Abend geöffnet.Weihnachten2

 

Und was passiert an Heiligabend?

Am Morgen des Heiligabend besuchen die Schweden meist ihre Verwandten und Freunde. Um 15.00 Uhr sitzen alle vor dem Fernseher: Es ist Zeit für Weihnachten mit Donald Duck, eine Stunde mit den Disneycomics (so ähnlich wie bei uns „Dinner for one“ an Sylvester...).

Als Pläne der Fernsehanstalt bekannt wurden, die Comics vorzuziehen, führte dies zu lauten Beschwerden der Zuschauer. So gehört Donald Duck jetzt seit 25 Jahren zum schwedischen Weihnachten. Erst wenn die Folge mit den Trickfiguren vorbei ist, beginnt die schwedische Familie ihre eigenen Festlichkeiten, man tanzt um den Baum und packt die Geschenke aus.

Wenn nicht der Jultomte die Bescherung übernimmt, klopft häufig auch der Weihnachtsmann an die Türen der Familien. Mit einem roten Umhang, einer Mütze und einem wehenden Bart verkleidet, verteilt er die Geschenke. Um den Weihnachtsmann oder den Wichtel zufrieden zu stellen, stellt man am besten grundsätzlich eine Schüssel mit Brei vor die Tür – man kann ja nie wissen.....