Glückskäfer überall....

 

Drei Mal drauf spucken, damit er noch mehr Glück bringt – Seit Jahrzehnten gehört der Marienkäfer zu den wenigen ausgesuchten Insekten, die ich auf Fingerspitzen durch die Gegend und letztlich auf eine besonders schöne Blume im mk2Garten trage. Als Kinder zählten wir die Punkte: je mehr Punkte ein Marienkäfer hatte, desto älter wäre er und desto mehr Glück würde er bringen – dachten wir. Im Alter von 9 Jahren, zur Erstkommunion, schenkten mir meine Eltern ein Bettelarmband, an dem ein rot emaillierter Marienkäfer aus Gold hing. Er sollte mir Glück bringen. Im Laufe der Zeit wurde das Bettelarmband natürlich mit allen möglichen weiteren Glückssymbolen (Kleeblatt, Würfel mit 6 Augen usw.) ergänzt, allein der Käfer blieb für mich DAS Glückssymbol.

Und auch nachdem sich das mit dem Glücksbringer später nicht immer und überall in meinem Leben bestätigte, als Freund und Helfer der Gärtnerin immerhin ist auf den Marienkäfer Verlass, auch in Schweden..... Mit den Blattläusen und Spinnmilben, die meine Rosen bedrängen, machen sie kurzen Prozess. Bis zu 50 pro Tag sollen sie davon verspeisen, mehrere Tausend pro Marienkäferleben. Und mit einer Körpergröße bis zu 12 mm liegen sie auf jeden Fall jenseits der Gruselgrenze, die meine Tochter peinlichst genau einhält, wenn es um Krabbelinsekten geht....

Der Siebenpunkt Coccinella septempunctata gilt deswegen als Glückssymbol, weil die Zahl Sieben (die Anzahl der schwarzen Punkte auf der roten Flügeldecke), in sich die irdischen VIER Elemente und die göttliche Zahl DREI vereint. Christliche Bauern sahen darin die sieben Tugenden Marias, der Mutter Gottes und gaben den fleißigen mk1Schädlingsbekämpfern zum Dank ihren Namen. Deshalb heißt der Marienkäfer in Schweden „Marias Schlüsselmagd“. Der Überlieferung nach soll der Siebenpunkt Kinder beschützen – was ja schon meine Mutter wusste – und galt daher als geheiligtes Tier der Freya, der altnordischen Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Und fruchtbar sind sie auf jeden Fall, die Marienkäfer.

Mit jedem Frühjahr kommen die sie wieder, und auch in Schweden gibt es jedes Frühjahr viele Marienkäfer, So viele, dass ich sie als Glückskäfer immer wieder vorsichtig einsammle und in den Garten bringe. Unser Haus hat noch eine ganze Reihe von alten Fenstern - kein Thermopen und kein Plastik kommt uns ins Haus - so dachten wir und renovierten (und renovieren noch) Stück für Stück die alten Holzfenster, tauschen peinlichst jede gebrochene Scheibe aus und zahlen Unsummen an Handwerker, die die vielfachen Lackschichten sauber von den Rahmen abschmirgeln und dem alten Holz wieder zu neuem Glanz verhelfen. Schnell haben wir also die nicht mehr ganz passgenauen unrenovierten Fenster als Ursache der Glücksschwemme ausgemacht. Wenn man sie öffnet, rieselt das Glück nur so herein, und wenn man sie schließt, wird man zum Mörder. Dieser Gewissenskonflikt führt schließlich dazu, dass unsere Fenster dort von März bis Mai nur von innen geputzt werden. Und bevor gesaugt wird, wird erst unter den Schuhen und auf dem Boden nachgeschaut.... Erst wenn es draußen warm genug ist, dass unsere Wintergäste von selbst und freiwillig ihr geschütztes Plätzchen zwischen Fensterrahmen und Hauswand verlassen, komme ich wieder den Hausfrauenpflichten nach. Denn schließlich gehört der Siebenpunkt zu den bedrohten Tierarten!mk3
Und das trotz meiner jahrlangen gezielten Umquartierungsaktivitäten den Sommer über! Nicht zuletzt deswegen sehe ich mit Wohlgefallen, dass im Spätsommer bei uns in Schweden immer eine wahre Völkerwanderung der Glückskäfer einsetzt. Zwar werden meine Einsammeltechniken immer ausgefeilter, wobei sich die Methode „Suppenlöffel-Marmeladenglas-Garten“ als die effektivste herausstellte, aber verhindern konnten und wollten wir letztlich noch in keinem Jahr, dass unsere Fenster wieder einmal als Winterquartier herhalten müssen. Und daher werde ich auch im nächsten Frühjahr „unsere“ Marienkäfer – wie Hunderte zuvor – wieder ins Freie setzen!