Der Kinda-Kanal zählt vielleicht nicht zu den bekanntesten Wasserstraßen Schwedens, dafür sicher zu den schönsten und idyllischsten. Ruhig fließt der Kanal durchs südliche Östergötland, führt durch fünf Seen, vorbei an malerischer Landschaft. Auf seinen 90 km überwindet der Kinda-Kanal einen Höhenunterschied von mehr als 50 m – über 15 Schleusen.

Größtenteils folgt der Kinda-Kanal dem natürlichen Flusslauf des Stångån, einem der wenigen schiffbaren Flüsse Schwedens, der nach Norden fließt. Reist man flussabwärts, beginnt das Freizeitabenteuer auf dem Kinda-Kanal in Hycklinge bzw. Horn am Südende des Sees Åsunden, in der Gemeinde Kinda. Im weiteren Verlauf passiert der Wasserweg den Eingang zum Ämmern und Rimforsa, geht in den Järnlunden über. Im Norden des Sees wartet bei Brokind die erste Schleuse auf Freizeitskipper und Ausflugsschiffe. Der Kinda-Kanal führt weiter über den Stora Rängen, Ärlången, durch Linköping. Nach 90 km endet der Kanal im Roxen – mit Anbindung an das blaue Band Schwedens, den Göta-Kanal.

Die natürlichen Gegebenheiten des über den Stångån verbundenen Seensystems waren für einen Kanal günstig. Das erkannte man schon Mitte des 18. Jahrhunderts. Gegen Ende des Jahrhunderts sollten die Pläne in die Tat umgesetzt werden. Auf der Wasserstraße wollte man das nicht gerade mit Reichtum gesegnete innere Östergötland vor allem mit Holz und landwirtschaftlichen Produkten versorgen.  1871 konnte der Kinda-Kanal endlich in seiner Gesamtlänge eingeweiht werden. Es folgte eine kurze, rund 30 dauernde Blütezeit. Die Eisenbahnlinie zwischen Kalmar und Linköping, heute bekannt als Stångådalsbanan, ließ die Bedeutung des Kanals als Transportweg erlöschen.

Seiner eigentlichen Funktion enthoben, bevölkern heute Freizeitkapitäne den Kinda-Kanal. Für sie wie für die Passagiere der Ausflugsschiffe wie der MS Kind oder der MS Prins Gustaf warten neben Erholung und Natur kleine Abenteuer – die Schleusen. Insgesamt 15 an 9 Stellen auf den rund 30 Kilometern von Brokind bis Nykvarn, dem Tor zum Roxen im Norden Linköpings. Darunter Schwedens tiefste Schleusen. Zum Beispiel die Dreifachschleuse Tannefors, die 10,5 m Höhenunterschied überwindet. Oder die Hackefors-Schleuse. Mit sieben Metern Höhendifferenz war sie zur ihrer Erbauungszeit die tiefste Einkammernschleuse Europas. Alle Schleusen werden per Hand durch SchleusenwärterInnen bedient. Gedränge gibt es hier nicht. Der Bootsverkehr auf dem Kanal hält sich in Grenzen.

Der Weg durch Seen- und Schleusensystem ist gesäumt von Laubwäldern im Süden, Ebenen im Norden, teils Jahrhunderte alten Eichen, kleinen Dörfern, Kirchen und Herrenhäusern, vor- und frühgeschichtlichen Grabfeldern und Wehrburgen.

Es lohnt hier und da den Anker zu werfen, beispielsweise um Sturefors slott, in Brokind einen der ältesten Herrensitze Schwedens, die Nostalgie-Tankstelle in Björkfors oder Gamla Linköping zu besichitgen. Oder um im Sommer im 400 Jahre Kisa, dem Hauptort der Gemeinde Kinda, mitzufeiern.